Freitag, 21. Dezember 2012

Intellektuelles Geschwafel – ein verbal-kognitiver Ausreiser


Nachdem wir die Herbivoren Kai und Heidi, bei denen wir die letzten Tage gewohnt haben, verlassen hatten, war unsere erste Amtshandlung in der Hansestadt Napier unseren Körper mit tierischen Tripeptiden zu versorgen. Apropos Essen: Wir wollen es uns heute zur Aufgabe machen, unseren Lesern ein wenig intellektuellere Kost zu verabreichen, um ihre Grauen Zellen zu schulen.
Daher wollen wir uns  mit einem „transzendent-philosophischen“ Thema auseinandersetzen.
Vorerst sollen jedoch unsere Aktivitäten dieses Tages zur Aktualisierung unserer Reiseerzählung grob umrissen werden: Der mangelhaften, motorisierten Infrastruktur Neuseelands sei Dank, dauerte die 270km weite Fahrt nach Napier gute 7 Stunden, womit wir (mittels der nach der Zeit abgeleiteten Strecke) auf eine durchschnittliche Geschwindigkeit von etwa 38,6 Stundenkilometern kommen. Außerdem lässt uns diese Fahrt an Einsteins Theorie, die Zeit verlaufe langsamer, wenn man sich der Lichtgeschwindigkeit annähert, zweifeln – vielmehr scheint es die Langeweile zu sein, die rechtfertigt, die Zeit nicht länger als ein Kontinuum anzusehen. Die soeben thematisierte Langeweile verleitete uns schließlich zu dieser Stupidität, unsere Gedanken rund um das deutsche Backpackertum durch dieses Medium zu publizieren.
Die bemerkenswerte quantitative Überlegenheit deutscher Staatsbürger im, zum Commonwealth gehörigen, Land der Maori, konnte unsere Ratio nicht unmittelbar nachvollziehen. Daher sollen im Folgenden Thesen zur Erklärung dieses Phänomens diskutiert werden:

Primum die historisch-gesellschaftliche Herangehensweise, welche folgende These impliziert: Resultierend aus der starken Mittelschicht im Zusammenspiel mit der, vor allem in Deutschland, seit den 50er Jahren aufblühenden, Reisefreudigkeit, ergibt sich ein generelles größeres Reisevolumen. Nach dem zweiten Weltkrieg führte die Division Deutschlands und das „Wirtschaftswunder“ der 50er Jahre zu einer westdeutschen Mittelschicht, die zum ersten Mal seit langem finanzielle Mittel und die Erlaubnis hatte, auf Reisen zu gehen. Dieser Reisetrend hat sich in der deutschen Gesellschaft verankert. Darüberhinaus ist die aktuell wohl populärste Reisevariante deutscher Abiturienten das sogenannte „Backpacking“. Dieser Trend scheint dieses Jahr seinen Gipfel erreicht zu haben und es ist in den nächsten Jahren mit einer Stagnation oder sogar einer Degression zu rechnen. Die Kombination aus größter Popularität und kleinster Fläche der möglichen Backpacking-Länder und des Faktums des deutschen Reisefiebers, macht Neuseeland zu einer Hochburg deutscher Backpacker.
Die politische Sichtweise untersucht einen anderen Standpunkt und kommt zu der These, dass der Backpacker-Strom eine Folge der gesellschafts- und bildungspolitischen Umstrukturierungsmaßnahmen der Bundesrepublik Deutschland bzw. des Landes Baden-Württemberg ist. Aufgrund der bundesweiten Abschaffung der Wehrpflicht und der Verringerung der Gymnasienzeit von neun auf acht Jahre, haben mehr Schüler die Möglichkeit ein sogenanntes „Gapyear“ zu absolvieren. Diese These wird durch unsere Erfahrung gestützt, dass besonders viele Jugendliche aus Süddeutschland anzutreffen sind, wo dieses Jahr die ersten G8-Jahrgänge ihre Schulzeit beendeten. Somit waren politische Entscheidungen der Auslöser für eine ganze Gesellschaftsbewegung.
Schließlich liefert auch die wirtschaftliche Herangehensweise eine Erklärung. Die sich 2008 ereignende Wirtschaftskrise betrifft potentielle Backpacker anderer Länder stärker als deutsche. Wirtschaftliche Krisen haben die Eigenschaft zu ihrem Beginn besonders die Unternehmen zu schwächen. Durch die enge Verknüpfung von Angebot und Nachfrage wirkt eine Wirtschaftskrise sich mit der Zeit auch auf die Konsumenten - und damit jeden Bürger – aus. Da sich in Deutschland die ökonomische Reszission in Grenzen gehalten hat und es anschließend einen wirtschaftlichen Aufschwung gab, sind den Deutschen eher finanzielle Mittel für eine solche Reise geblieben.
Darüberhinaus hat auch die Eurokrise eher andere europäische Industrienationen geschwächt.

Alles in allem – summa summarum – ist bei genauer Betrachtung der aufgeführten Thesen eine Multikausalität zu erkennen. Keine Ursache, kann für sich allein wirken – vielmehr liegt ein Wirkungsgefüge vor. Die Independenz der verschiedenen Faktoren führt letztendlich zu dem Phänomen, dass man in neuseeländischen Hostels mit deutscher Omnipräsenz rechnen muss.
Genug der mehr oder weniger essentiellen Gedankenströme; nun wir wollen uns nicht in unnötigem Genörgle über die lange Busfahrt  üben, sondern uns darüber freuen unbeschadet unsere nächste Destination erreicht zu haben.

An Weihnachten werden wir uns wieder mit einem Ottonormal-Leser-Post zurückmelden
J
Bis dahin noch ein paar schöne vorweihnachtliche Tage
J&J

Kommentare:

  1. ihr Spacken, meldet euch mal. Steffen und ich sitzen grade in Hastings. Wuerden spontan zu euch rueber kommen wenn wir wuessten wo ihr rum gammelt.

    torben

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  2. Ihr Dödel <3 ich bin mit diesem Text überfordert -.- aber trotzdem schön von euch zu hören und ich glaub die grundaussage hab sogar ich verstanden :D ich wünsch euch ganz tolle und frohe weihnachten im warmen Süden :*
    Ich herze euch!
    Anni :)

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  3. Haha ihr seid ja so bescheuert und gut zugleich!:)
    Diesen Text wird man wohl in geraumer Zeit in einem Schulbuch wiederfinden und Herr Theil wäre stolz auf euch :P
    Hat natürlich, wie immer, Spaß gemacht, zu lesen und mein Abi kann kommen:Ich habe alles verstanden :D
    LG

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